Mehr Produktivität: Kontinuierliche Mitarbeiterentwicklung durch Messung des Lernbedarfs
Mitarbeiter arbeiten deutlich effektiver, wenn sie in allen relevanten Prozessen und Systemen angemessen geschult sind. In vielen Unternehmen findet die wesentliche Qualifizierung vor allem im Rahmen großer Digitalisierungsprojekte statt – etwa bei der Einführung eines neuen IT-Systems. Nach dem Projektende und dem Abschied der Berater stoppt die Weiterbildung jedoch oft abrupt.
Die Welt steht allerdings nicht still: Prozesse verändern sich, neue Technologien und Anforderungen entstehen. Deshalb müssen Mitarbeiter auch jenseits einzelner IT-Projekte kontinuierlich lernen. Doch wie lässt sich feststellen, welche Schulungsthemen nach Projektende relevant bleiben? Kontinuierliche Lernbedarfsanalysen decken es auf. Im Folgenden zeigen wir, wie die systematische Erhebung von Kenntnissen und Fertigkeiten den Lernbedarf sichtbar macht und damit individuelle Lernpfade ermöglicht. Dieser Ansatz sorgt für eine fortlaufende Qualifizierung – mit einem klaren Ziel: Die Mitarbeiter zu einem Höchstmaß an Kompetenz in ihrer Rolle zu führen.

Warum kontinuierliches Lernen unverzichtbar ist
Unsere Erfahrung aus großen IT-Transformationsprojekten zeigt: Einmalige Schulungen im Projekt liefern nur eine Momentaufnahme. In einem Fall arbeiteten Mitarbeiter nach dem Go-live eines ERP-Systems zunächst sehr effizient, doch nach einigen Monaten ließen die Ergebnisse spürbar nach. Woran lag das?
- Technologie und Prozesse ändern sich. Laufend erscheinen neue Softwareversionen und Funktionen. Ohne flankierende Schulung werden diese Potenziale nicht ausgeschöpft.
- Wissensträger gehen, neue Mitarbeiter kommen. Durch Fluktuation und Wachstum treten neue Mitarbeiter an die Stelle erfahrener Fachkräfte, oft ohne die im Projekt vermittelten Trainings erhalten zu haben. Sie müssen schnell auf denselben Wissensstand kommen – sonst sinkt die Teamleistung.
- Neue Anforderungen entstehen. Externe Rahmenbedingungen setzen Standards – Cybersicherheits-Schulungen sind heute beispielsweise obligatorisch. Ohne rechtzeitige Qualifizierung werden diese Standards verfehlt.
Die Konsequenz: Lernen muss kontinuierlich organisiert werden. Damit es Wirkung zeigt, braucht das Unternehmen jedoch jederzeit Transparenz darüber, wer welche Schulung benötigt. Ohne dieses Verständnis können zwei unerwünschte Effekte auftreten: Entweder wird zu wenig geschult (was zu Fehlern führt) – oder Ressourcen fließen in unwichtige Inhalte. Entscheidend ist daher, Kompetenzlücken mit Handlungsbedarf rechtzeitig zu identifizieren und die Maßnahmen darauf zu fokussieren.
Der doppelte Blick
Wie lassen sich Wissens- und Kompetenzlücken in der Praxis sicher erkennen? Wir empfehlen einen Ansatz mit zwei Perspektiven:
- Diagnostik im Lernprozess: Während Mitarbeiter an Kursen oder Trainings teilnehmen, machen integrierte Tests und Aufgaben – etwa mit Technologien von Area9 – Lücken sichtbar. Die Auswertung macht deutlich, bei welchen Themen ein Mitarbeiter Unterstützung benötigt. Darauf aufbauend entsteht ein individueller Lernpfad: Zusatzmaterialien und Übungen adressieren genau jene Bereiche, in denen Wissen fehlt.
- Analyse der Arbeitsergebnisse: Die zweite Perspektive entsteht am Arbeitsplatz. Bleiben Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück, wird die Ursache analysiert: Liegt es am Prozess, am System (z. B. komplexe Softwareeinstellungen) – oder am Kompetenzdefizit? Zeigen sich Wissenslücken oder eine unsichere Nutzung bestimmter Funktionen, sollte gezielt geschult werden. Diese Feldrückmeldung deckt reale Fähigkeitslücken schnell auf und schließt sie.
Die Kombination beider Perspektiven macht sowohl Lernfortschritt als auch Anwendungskönnen transparent – die Basis für das Ziel höchster Kompetenz in jeder Position.
Beispiel aus der Medizin: Adaptives Lernen für Chirurgen
Die Prinzipien des kontinuierlichen, individuell gesteuerten Lernens gelten nicht nur in administrativen Bereichen, sondern auch im Kerngeschäft. Ein Beispiel aus dem Krankenhausumfeld: An der Universität St. Gallen (Schweiz) wurde eine Online-Plattform mit adaptiven Kursen und personalisierten Lernpfaden für die Ausbildung von Chirurgen eingeführt. Erfahrene Ärzte investieren traditionell viel Zeit in die Weiterbildung von Assistenten. Mit der Plattform hat sich das Verhältnis verschoben: Medizinstudenten und Assistenzärzte absolvieren Theorie und Trainings weitgehend selbstständig – mit regelmäßiger Wissensdiagnostik.
Der Effekt ist doppelt positiv. Erstens gewinnen leitende Chirurgen Zeit und verbringen mehr Stunden im OP, statt Basisinhalte zu wiederholen. Zweitens erreichen Assistenten den erforderlichen Kompetenzstand schneller als in klassischen Präsenzformaten. Das individuelle Lerntempo und die adaptive Didaktik ermöglichen es, gezielt an eigenen Lücken zu arbeiten. Mentoring bleibt möglich – die knappe Expertenzeit wird jedoch deutlich effizienter eingesetzt.
Wettbewerbsvorteil durch schnelleres Lernen
Das Beispiel macht deutlich, dass personalisierte Entwicklungswege auf Grundlage des Lernbedarfs die Zeit bis zur vollen Einsatzfähigkeit verkürzen. Erreicht jeder Mitarbeiter rascher die volle Produktivität in seiner Rolle, profitiert die gesamte Organisation. Neues Wissen diffundiert schneller – ein klarer Vorteil in dynamischen Märkten. Unternehmen mit systematisch verankertem, kontinuierlichem Lernen erzielen handfeste Mehrwerte:
- Hohe Anpassungsgeschwindigkeit. Notwendige Fähigkeiten werden schneller aufgebaut; das Unternehmen reagiert flexibel auf neue Anforderungen und Chancen.
- Effizienter Ressourceneinsatz. Erfahrene Fachkräfte verbringen weniger Zeit mit Grundlagenvermittlung und konzentrieren sich auf Kernaufgaben und Wertschöpfung.
- Das Höchstmaß an Kompetenz in jeder Rolle. Mitarbeiter beherrschen die relevanten Tools und Prozesse und wenden sie sicher an – Fehlerquoten sinken, Qualität und Ergebnis verbessern sich.
In Summe steigert dies unmittelbar die Unternehmensleistung. Wer die richtigen Fähigkeiten zügig entwickelt, arbeitet produktiver – und wettbewerbsfähiger.
Fazit
Lernen ist heute kein einmaliges Ereignis, sondern ein kontinuierlicher, in die Arbeit integrierter Prozess. Um Mitarbeiter wirksam zu halten und die Organisation erfolgreich zu führen, reichen Projekttrainings bei der Systemeinführung nicht aus. Entscheidend ist, den Lernbedarf fortlaufend zu messen und die identifizierten Lücken mit passgenauen Maßnahmen zu schließen. So bleiben Kenntnisse aktuell – und Kompetenzen auf hohem Niveau.

Unser Ziel bei ontron ist es, Unternehmen beim Aufbau eines solchen Systems zu unterstützen, damit jeder Mitarbeiter in seiner Rolle das höchstmögliche Kompetenzniveau erreicht. Wenden Sie sich an uns, wenn Sie die Personalentwicklung auf das nächste Niveau heben möchten. Indem Sie den Lernbedarf messen und mit personalisierten Trainings decken, schließen Sie nicht nur aktuelle Fähigkeitslücken. Sie etablieren eine Kultur des permanenten Lernens – und legen damit die Grundlage für Wachstum, Effizienz und nachhaltigen Erfolg.



